Mit dem FSG in Metz

Es war noch Sommer, als mir Beate von ihrem Vorhaben erzählte, im Dezember zum vorweihnachtlichen Freundeskreistreffen mitzufahren. Die Vorstellung erschien mir so verlockend, dass ich sagte: „Wenn ich doch nur Französisch könnte, würde ich mitfahren“. Dass die Sprachbarriere keinen Hinderungsgrund darstellt, bestätigte kurz darauf die Einladung im Amtsblatt. Ausdrücklich waren „Gäste“ willkommen. Und Gäste dürfen fast alles, Deutsch sprechen beispielsweise. Es würden Fahrgemeinschaften gebildet – noch besser!

So konnte es dann am Samstagmorgen in der Frühe des 13. Dezember losgehen. Jean-Jaques brachte uns trotz unserer Richtungsweisung und Navi, was sich nicht immer deckte, gut und sicher nach Metz. Dort wurden wir von den bereits am Vorabend angereisten französischen Teilnehmern erwartet. Ich konnte eine allgemein heitere und überaus freundliche Stimmung wahrnehmen. Hin und wieder fielen herzlichere Wiedersehensworte, Umarmungen und Küsschen auf, da war in vorangegangenen Treffen schon etwas gewachsen. Einchecken, Koffer abstellen und schon war es Zeit für die Stadtführung. In Deutsch für die Deutschen, in Französisch für die Franzosen. „Wenn ich doch nur Französisch könnte!“ Liebe Planenden, nehmt mir meine Verblüffung nicht übel, das fand ich etwas schade. Möglicherweise gibt es keine zweisprachigen Führungen, evtl. wäre die ganze Truppe zu groß gewesen für eine Führung – trotzdem, zusammen wäre es irgendwie schöner gewesen.

Von der Stadt sind mir besonders die unterschiedlichen Baustile in Erinnerung, mittelalterliche Arkaden, der gotische Dom mit seinen bunten Glasfenstern. Die von Marc Chagall hätte ich noch länger betrachten mögen. Der neoklassizistische Bahnhof flößte mir eher gruseligen Respekt ein, ob seiner militärischen Bestimmung und entsprechenden Größe. Einen Blick noch auf das Centre Pompidou, das war ziemlich klar: unser Ziel für den folgenden Tag.

Nach einer kleinen Rast im Hotel ging es weiter zum noch angenehmeren Teil: Lothringer Menue in der Auberge. Sehr lecker! Danke dem Koch und den Spendern des prickelnden Nasses.

Zwischen den Gängen spielte sich einiges ab, was ich von meinem Platz nicht einsehen konnte. Ein Stuhl bepatcht mit Bildern von vorangegangenen Begegnungen wechselte den Besitzer. Ich hörte die Stimmen von Hans Frech und Lorance, die mitsamt Stuhl in die Höhe gehoben wurde. Sie lebe hoch! Sie organisiert zusammen mit vielen anderen etwas sehr Gutes: Begegnung zweier Länder und noch viel mehr, denn es bleibt nicht bei der theoretischen Vorstellung einer Nation, nein, die Nation trägt plötzlich ein Gesicht und noch eines und….alle mit klangvollen Namen wie Josette, Alain, Pascale, (H)errmann;-). Alle lächeln mich herzlich an und ich ahne, dass hinter jedem eine interessante Geschichte steckt, die ich gerne erfahren würde. „Wenn ich doch nur Französisch könnte!“

Berichten könnte ich immer weiter, dass ich die Ausstellung „Urformen“ im Centre Pompidou am liebsten noch einmal sehen möchte, dass ich die beste Tarte de Framboises meines Lebens gegessen habe und statt dem vermeintlich bestellten Schokoccino eine Tasse heiße Schokolade und eine Tasse Espresso serviert bekam. „Wenn ich doch nur Französisch könnte“!

Jedenfalls werde ich der FSG beitreten, ohne eine Vereinsmenschin zu sein - diese Arbeit und dieses Vergnügen sollen unterstützt werden. Und wer weiß, vielleicht kann ich bis zum nächsten Treffen in Soucy schon ein bisschen Französisch…

Andrea